Donnerstag, 13. Dezember 2007

Praxis des Inzuchtkoeffizienten

Eine ehemals prominente Stimme in der Eurasierwelt hat zum Thema Inzuchtkoeffizient und wie er zu berechnen sei, die beinahe rasseschädigende Behauptung aufgestellt, dass man den IK nur bis in vollständige Generationen berechnen dürfe.
Diese Behauptung, so sie denn tatsächlich ernst gemeint war, zeugt von einer vollkommenen Unkenntnis der realen Gegebenheiten unserer Eurasierpopulation. Anhand eines Stammbaumes eines Eurasiers aus den frühen Tagen der Eurasierzucht möchte ich aufzeigen und beweisen, dass diese Behauptung entscheidende Aspekte der realen Eurasierzucht ignoriert und damit sogar zu gefährlich Fehlschlüssen führen kann.

Kicken Sie hier, um den Stammbaum anzuschauen.


Sie sehen den Stammbaum von Fliederbusch Ali. Sein Vater ist der berühmte Droll vom Jägerhof der selbst wiederum ein Sohn der beiden wohl berühmtesten Eurasier, Brumbo und Berrit vom Jägerhof, ist.



Wie man sehr schön erkennt, ist die Vaterseite nur bis zu den Urgroßeltern bekannt.
(Tatsächlich kennt man die Ahnen sehr viel weiter, aber um das Prinzip darzustellen, reicht es, wenn man in unserem Fall bis zu den Gründertieren geht. Der Einwand, dass man bei den Bergstraßenschwestern eigentlich deren Eltern nehmen müsste, ist berechtigt. Ich habe dies nur in diesem Fall weggelassen, um die Problematik nicht unnötig zu verkomplizieren und das Wesentliche herauszuarbeiten.)


Würden wir der eingangs erwähnten Ansicht folgen, dann dürften wir diesen Stammbaum nur bis zur vollständig bekannten Generation rechnen, also der 3. Generation.


(Die Rechnung wurde mit der vereinfachten Formel von Wright durchgeführt, also OHNE Rekursion)


Damit würden wir einen IK von 12.5% erhalten. (Es ist eine recht gute Übung für Zuchtplaner, dieses von Hand mal nachzurechen)


Wenn wir aber den ganzen Stammbaum nehmen dann erhalten wir  17.19%, also einen IK ,der um fast die Hälte höher liegt als vorher.

Wenn wir uns den Stammbuam in Ruhe anschauen, dann sehen wir auch recht schnell, warum ein Abschneiden des Stammbaumes nach der 3. Generation absolut unsinnig wäre. Der Grund ist die Verschiebung der Generation. Das Rassegründerpaar Ko-San-Lo Pollo Pong (Chow-Chow) und Bergstraße Asta (Wolfsspitz) kommen auf der Vaterseite als Urgroßeltern vor. Auf der Mutterseite dagegen als Ururgroßeltern und Ko-San-Lo sogar noch als Urururgroßvater.


Wenn man nun bedenkt, dass dieser Effekt bereits bei so frühen Tieren der Rasse auftaucht, dann bedarf es nicht sehr viel Vorstellungsvermögen um sich klar zumachen, dass diese "Realzuchteffekte" bei jedem lebenden Eurasier im Stammbaum zu finden sind.


Die kühne Behauptung, dass es nur erlaubt bzw. sinnvoll sei, in die vollständig bekannten Generationen zu rechnen, ist damit eindeutig widerlegt.
Ein Abschneiden von vorliegenden Informationen kann zu fatalen Fehleinschätzungen der realen Lage führen.
Ein Unterdrücken von  Information damit zu begründen, dass man nicht über jedes Tier "gleichviel" Informationen besitzt, würde bedeuten, dass man die vorliegenden Informationen auf das am wenigsten dokumentierte Tier normiert. Der Unsinn so einer Vorgehensweise ist wohl sogar dem Laien verständlich.

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Zucht und Haftung

Das Thema Zucht und Haftung ist seit jeher ein heisses Eisen.


Gerade in der Eurasierzucht, in der das Prinzip der zentralen Zuchtlenkung zur Anwendung kommt, ergeben sich Fragen, die heute noch nicht höchstrichterlich entschieden sind.


Sie finden hier einen  kompetenten Aufsatz  über diverse Aspekte der Haftung bei der Hundezucht.



Ein Eurasierzüchter erhält -im Falle zentraler Zuchtlenkung durch seinen Verein- Deckrüdenvorschläge. Ich kann aus meiner praktischen Erfahrung sagen, dass er im Normalfall dazu einige Daten über die Ahnen, die Geschwister und eventuelle Nachkommen des Deckrüden erhält.
Reicht dies aber aus, um mögliche genetische Risiken angemessen abzuschätzen - gerade bei seltenen und schwerwiegenden Krankheiten?

Die IFEZ unterhält eine Datenbank, in der die Gesundheitsdaten aller Tiere, die von den Mitgliedsvereinen erzüchtet wurden -so sie denn untersucht wurden-,  vorliegen.
Damit ist vollkommen klar, dass die Zuchtentscheider, die die Deckrüdenvorschläge erarbeiten, MEHR Informationen zur Verfügung haben, als ein normaler Züchter. Damit ist auch klar, dass die Deckempfehlungen von Personen ausgesprochen werden, die sehr viel mehr Informationen zur Vefügung haben, als letztendlich der Züchter.
Wie würde eine höchstrichterliche Entscheidung aussehen, wenn ein Züchter, der auf Schadensersatz verklagt wird, nachweisen kann, dass er sich voll und ganz auf das Urteil seines Vereins verlassen musste, weil ihm der Einblick in die vollständigen Daten aus welchen Gründen auch immer gar nicht gestattet ist?
Könnte dies im Extremfall bedeuten, dass ein Züchter grundsätzlich darauf bestehen muss, dass der Verein ihm alle Daten, die er über die Verwandschaft der Zuchtpartner vorliegen hat, aushändigt und er im Falle der Verweigerung dieser Daten  dann gar nicht züchten sollte, da ihn sonst die volle Haftung trifft?


Oder ist der übliche Paragraph in den gängigen Zuchtordnungen nicht haltbar, der dem Züchter das alleinige Risiko aufbürdet ? Ist letztendlich der Verein in der Haftung, wenn ein Züchter nachweisen kann, dass er gemäss der Satzung bzw. den Ordnungen des Vereins gar kein Recht auf Einsicht in die vollständigen Daten hat?

Genau diese Fragen sind nach meinem Wissen  bis heute nicht höchstrichterlich geklärt. Sollte sich ein Zuchtverein diesem Risiko aussetzen, hier in eine Haftungsfalle zu tappen?


Meiner persönlichen Meinung nach sollte er dies nicht tun. Besser wäre es, allen Züchtern und auch den Deckrüdenbesitzern (siehe gerade auch hierzu obigen Aufsatz) den vollständigen Einblick in die Daten der Tiere zu gewähren. Die zentrale Zuchtlenkung der Vereine sollte so weiterarbeiten wie bisher. Zusätzlich zu den Deckrüdenvorschlägen sollte den Züchtern der ausdrückliche Hinweis mit auf den Weg gegeben werden, die Deckrüdenvorschläge selbst und eigenverantwortlich mit Hilfe der ihnen zugänglichen Daten zu prüfen. Eine Hilfestellung hierbei durch die Zuchtwarte des Vereins ist obligatorisch.


Damit wäre die Gefahr der Haftung durch den Verein in jedem Fall ausgeschlossen. Einen entsprechenden Antrag für die nächste Delegiertenversammlung des EKW habe ich bereits formuliert und an den Vorstand übermittlet.