Donnerstag, 24. Juli 2008

Jagdverhalten unserer Eurasier


Das Verhalten der Eurasier ist Gott sei Dank so individuell wie bei uns Menschen. Wenn man die diversen Dispute in Internetforen, auf Spaziergängen und anderen Veranstaltungen aufmerksam mit verfolgt, so kommt man unweigerlich zu diesem Schluss. Und es ist irgendwie komisch: die Hunde haben scheinbar überhaupt keine Ahnung von dem, was über ihr Verhalten und Wesen im Standard steht. Da sind einige Exemplare ganz schön störrisch.


Ich werde oft gefragt, wie es denn um den Jagdtrieb der Eurasier steht. Wenn man in den Standard schaut, dann steht dort wörtlich: ohne Jagdtrieb.


Das ist natürlich in dieser Radikalität vollkommener Unsinn. Sie werden Eurasier finden, die von „überhaupt kein Interesse“ bis zu „erfolgreichen Jägern“ das gesamte Spektrum abdecken. Auch das ein eindrucksvoller Beweis für die große genetische Varianz und die damit verbundene Robustheit und Gesundheit der Rasse.


Ob ein Welpeninteressent nun einen Hund bekommt, der von seiner Anlage her eher ein Nichtjäger ist, wird sich wohl erst weisen, wenn der Hund schon im Besitz des Interessenten ist. Klar, es mag Züchter geben, die mehr oder minder zusagen, dass der Welpe kein Jäger sein wird, aber ob sich dies dann in allen Fällen als korrekt herausstellt, sei dahingestellt.


Wir hatten bisher 2 Eurasierhündinnen. Diese beiden Hündinnen kann man nur als vollkommen unterschiedlich in Charakter und Wesen bezeichnen. Während die erste die „große Dame“ war, die sich erst mal grundsätzlich von keinem Fremden anfassen lies, war die zweite hier vollkommen anders. Es gab und gibt noch immer nichts wichtigeres als Menschen, abgesehen von Artgenossen.


In einem waren aber beide gleich: Sie waren Jägerinnen. Beide zwar erfolglose Jägerinnen, aber wenn man eine Katze, einen Hasen, ein Reh oder ein Eichhörnchen wahr nahm, dann machte es klick und der reine Trieb kam durch.


Beide lernten im Laufe der Jahre, dass sie die Beute nicht erwischen, deshalb wurden die Ausflüge auch immer kürzer.


Wir haben dagegen vor allem eines unternommen: Besser zu sein als die Hunde.


Damit meine ich, dass wir gelernt haben im Normalfall die Beute VOR dem Hund zu sehen, den Hund dann abzulenken, zu uns zu rufen und an die Leine zu nehmen bis die Gefahr vorbei ist.


Aber noch etwas anderes ist sehr wichtig. Wenn ihr Hund mal doch abgeht weil er doch mal besser war als sie, dann behalten sie die Ruhe. Warten sie, bis er wiederkommt, er wird wiederkommen. Und vor allem: Wenn er wiederkommt, schimpfen sie nicht. Zeigen sie ihm, dass sie vollkommen unbeeindruckt sind. Zeigen sie auf gar keinen Fall Hektik, das könnte ihr Hund als Bestätigung verstehen.


Bedenken sie gut, ob sie mit einem eventuell vorhandenen Jagdtrieb umgehen können, bevor sie sich einen Hund kaufen, der eventuell einen Jagdtrieb haben könnte.


Sie sind es, der das handhaben muss, der Hund kann es auch ohne sie, aber ob sie mit seiner Handhabung glücklich sind, ist die andere Frage.


Sicher ist nur: Nur sie alleine haben es in der Hand. Der Hund ist niemals schuld, wenn sie nicht damit umgehen können.