Montag, 19. Januar 2009

Der Inzuchtkoeffizient in der realen Zuchtwelt


Meinen Vorschlag, dass man in der Rasse der Eurasier den Inzuchtkoeffizienten auf wenigstens 10 Generationen berechnen muss, hat man mit dem Hinweis, "Wissenschaftler hätten gesagt, dass die Berechnung auf 6 Generationen ausreicht" (zu lesen in der Eurasierpost 4/2008), abgetan. Als weitere Begründung für die Ablehnung meines Vorschlages wurde angeführt, dass man die Ahnen der lebenden Hunde nicht vollständig in diese hohen Generationen verfolgen könnte.
Ich werde im folgenden aufzeigen, dass diese Argumentation die Verhältnisse in einer realen Zuchtpopulation nicht bzw. ungenügend berücksichtigt bzw. die Konsequenzen aus den realen Populationsverhältnissen vollkommen ignoriert. Dies führt dazu, dass man z.B. im Falle unserer Hündin, den Inzuchtkoeffizienten, den man aus den bekannten Abstammungsdaten errechnen kann, wenn man nur bis zur Generation 6 rechnet, um rund 70% zu gering berechnet im Vergleich zur Berechnung auf 10 Generationen.
Damit wird klar, warum eine Rechnung auf 10 Generationen unbedingt erforderlich ist, da man nur so die tatsächlich vorliegende Inzucht weitestgehend korrekt errechnet. (ich bin der festen Überzeugung, dass aktuell sogar eine Berechnung bis Generation 11 oder 12 notwendig wäre. Einen Anhaltspunkt für die Zahl der Generationen, die zu berücksichtigen sind, kann der Ahnenverlustkoeffizient geben.)

Zuerst seien hierzu einige Fakten zusammengefasst, um eine klare Verständnisgrundlage zu bilden.

1. Für jeden Eurasier kann man seinen Stammbaum soweit zurückverfolgen, bis man auf allen Zweigen auf Hunde trifft, deren Eltern nicht mehr bekannt sind. (Dies gilt für jedes Lebewesen - es sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.)
2. Zum Inzuchtkoeffizienten tragen nur Ahnen bei, die sowohl auf Mutter- als auch auf Vaterseite vorkommen.
3. Der Inzuchtkoeffizient gibt eine Wahrscheinlichkeit dafür an, dass sich wenigstens irgendeine Erbinformation von irgendeinem gemeinsamen Ahnen unverändert in dem Nachkommen reproduziert.
4. Der Inzuchtkoeffizient gibt NICHT an, WELCHE Erbinformation dies ist.

Viele Hunderassen begannen ihr Dasein durch Inzucht. Dies gilt auch für unsere Eurasier. Wenn wir nun Fakt 1 auf unsere Eurasier anwenden, dann werden wir für praktisch alle lebenden Eurasier zu dem Ergebnis kommen, dass an den Spitzen nahezu aller Zweige Tiere stehen, die zu den Ursprungsrassen Chow-Chow, Wolfspitz und Samojede gehören. Dies spielgelt auch unverändert den Anspruch der etablierten VdH Vereine wieder, die ja betonen, dass sie ihre Eurasier auf die Ursprungstiere zurückführen können. Sollte dies an einigen Zweigen nicht der Fall sein, dann nehme ich vorweg, dass dieser Befund quantitativ bei der Berechung des Inzuchtkoeffizienten so gut wie keinen Einfluss hat.

Ich bitte Sie den folgenden Link anzuklicken und nicht zu erschrecken , es ist nur auf den ersten Blick etwas unübersichtlich, wenn sie aber die hier gegebene Erklärung in Ruhe wirken lassen, dann wird das Diagramm leicht lesbar.
Das Diagramm zeigt den Stammbaum unserer Briska zum Crutzen. sie ist am 7.2.2001 geboren. Der Stammbaum zeigt 10 Generationen (die ganz linke Spalte zeigt Briska selbst), die blauen Striche sind Platzhalter für die Namen der Ahnen, die aber für die Betrachtung nicht interessant sind.
Gleich zu Beginn sehen sie, ganz rechts, orange unterlegte Felder. Orange zeigt Ahnen an, die unbekannt sind.
Weiss unterlegte Felder sind bekannte Ahnen. Die andersfarbig unterlegten Felder zeigen nun bekannte Ahnen an, die (zusammen genommen) rund 70% des auf  10 Generationen berechneten Inzuchtkoeffizienten ausmachen.
Der graue Bereich zeigt die Generationen größer als 6 an.
Wenn sie nun das Diagramm nach unten scrollen, dann werden sie folgendes erkennen:
1. Es gibt nur sehr wenige Bereiche mit unbekannten Ahnen.
2. Die farbig unterlegten Felder befinden sich mit großer Mehrheit im grauen Bereich, also in Generationen größer als 6.

Zum Vergleich finden sie im 2. Diagramm dieselbe Auswertung nur bis Generation 6.


 


Diagramm 1: www.rasse-eurasier.pytalhost.de/wp-content/uploads/briska-10-gen.html


Diagramm 2: www.rasse-eurasier.pytalhost.de/wp-content/uploads/briska-6-gen.html

Was folgt daraus?
Eine Berechung des IK auf nur 6 Generationen würde also die tatsächlich vorliegenden Verhältnisse bzgl. Inzucht ganz einfach zu rund 70% vernachlässigen. Noch schlimmer, man würde diese Vernachlässigung sogar bewusst durch Nichtbeachtung von VORLIEGENDEN Informationen begehen.
Kritiker argumentieren nun oft, das man ja so praktisch bis zum Anfang aller Hunde rechnen könnte und man würde damit immer bei noch größeren Inzuchtkoeffizienten landen. Dem ist entgegenzuhalten, dass es uns ja um die Inzucht in der Rasse der Eurasier geht, es geht nicht um die Inzucht, die man irgendwann mal in den Ursprungsrassen betrieben hat.
Damit gibt sich auch gleich eine ganz natürliche Grenze, wieweit man denn die Stammbäume unserer Eurasier überhaupt verfolgen sollte, nämlich bis zu den Ursprungstieren, also soweit, dass an jedem Zweigende des Stammbaumes im Idealfall ein Tier der Rassen Chow-Chow, Wolfspitz oder Samojede steht.


Es gibt nun verschiedene Einwände, die sich darauf stützen, dass es ja durchaus eben Tiere an den Stammbaumzweigenden geben könnte, über die man keine Aussage darüber machen kann, ob es sich um ein Tier der Ursprungsrassen handelt oder um ein vollkommen unbekanntes Tier  und man deshalb überhaupt nicht aussagen kann, ob man dann relevante Anteile des IKs vernachlässigen würde.
Lassen sie mich im folgenden aufzeigen, dass dieser Einwand so gut wie nicht haltbar ist. Ich möchte die verschiedenen Fälle durchspielen und einzeln begründen.


1. Das Tier ist tatsächlich ein Kind eines oder zweier der Rassegründertiere.
Dieser Fall kann nur auftreten, wenn die Gründertiere der Eurasier Nachkommen gehabt hätten, die die Eurasiergründer nicht erfasst hätten. Dies erscheint mir bei der gut dokumentierten Rassehistorie sehr unwahrscheinlich und damit vernachlässigbar.


2. Das Tier ist ein bisher unbekannter Vertreter einer der Gründerrassen.
So ein Tier könnte nur einen entscheidenden Beitrag zum IK leisten, wenn es mit den bekannten Rassegründertieren gemeinsame Ahnen aufweisen würde. Dieser Anteil aber ist für die Inzucht der Rasse Eurasier  uninteressant, da wir (siehe oben) bei Rassegründertieren aufhören, die Eurasierstammbäume weiter zu verfolgen. Damit ergibt sich in diesem Fall überhaupt kein Einfluß auf den IK.


3. Das Tier ist tatsächlich ein Eurasier.
Dieser Fall kann im Rahmen der IFEZ eigentlich nicht auftreten. Würde dieser Fall doch voraussetzen, dass es Lücken in den Zuchtbüchern gibt. Damit ist er ebenfalls vernachlässigbar, da zumindest im Rahmen der IFEZ eine Klärung des Falles möglich sein müsste. Diese Klärung müsste soweit möglich sein, dass sich der Fall auf einen der anderen Fälle reduzieren lässt.


4. Das Tier ist ein Vertreter einer anderen Rasse als der Gründerrassen.
Damit wäre der Einfluß der Ahnen dieses Tieres auf den IK in jedem Falle Null.


Damit ergibt sich aber ganz klar:
Es ist vollkommen unrelevant, WIEVIELE Tiere in einer Generation tatsächlich unbekannt sind, ihr Anteil am IK ist in jedem Falle vernachlässigbar. Das Beispiel unserer Hündin zeigt, dass es für die heutige Zuchtplanung unumgänglich ist, den IK einer geplanten Verpaarung auf mindestens 10 Generationen zu berechnen, da man sonst die frühe Inzucht der Rasse vollkommen aus den Augen verliert.
Diese frühe Inzucht ist aber  nicht dadurch aus der Welt zu schaffen, dass man sie einfach ignoriert - sie einfach nicht berechnet. Sie bleibt trotzdem existent. Auch ist unsere Hündin sicher kein Ausnahmefall hinsichtlich der fast 100%igen Vollständigkeit ihres Stammbaumes auf 10 Generationen. Man kann davon ausgehen, dass dies für nahezu alle IFEZ Eurasier zutrifft, natürlich mit Abweichungen, die aber die obigen Annahmen in keiner Weise entkräften.
Das 10 Generationen Diagramm macht auch noch eine typische Eigenart "REALER" Zuchtverhältnisse sichtbar. Ich möchte es die "Generationsverschiebung" nennen.
Wenn sie das Diagramm aufmerksam anschauen, dann werden sie sehen, dass gleichfarbig unterlegte Felder oftmals in unterschiedlichen Generationen auftauchen. Dies zeigt, dass es in realen Zuchten eben KEINE strikte Generationenfolge gibt, sondern dass es normal ist, wenn man mal einen Urururenkel eines Hundes mit einem Urururururenkel des gleichen Hundes verpaart. Dann zeigen sich derartige Verschiebungen in den Stammbäumen.
Wäre nun eben dieser Ahn ein Tier, dessen Eltern unbekannt sind, dann würde die Begründung, dass man den IK nur in vollständige Generationen rechnen darf, den Abbruch der Rechung an eben diesem Urururgroßelternteil bedingen, obwohl wir Ahnen bis eben  zum besagten Urururururgroßelternteil kennen. Die Folge wäre, dass die so bedingte Inzucht, die ja unleugbar vorliegt, einfach weggelassen würde.
Alleine diese Vorstellung macht diesen Einwand unhaltbar.


Zusammenfassend bleibt also zu sagen:
Die wahre Inzucht der lebenden und noch zu erzüchtenden Eurasier kann nur erfasst werden, wenn man die IK Berechnung auf Stammbäume stützt, die grundsätzlich an allen Zweigen bis zu den Gründertieren verfolgt werden. Dies scheint heute mit 10 Generationen (besser wären aber 11 oder gar 12) in den meisten Fällen möglich.Eine Beschränkung auf 6 Generationen schneidet den relevanten Teil der frühen Rassehistorie vollkommen ab.

Dienstag, 13. Januar 2009

Das Urteil


Am 10.12.2008 verkündete des OLG Mannheim folgendes Urteil.


www.eurasierfreunde-deutschland.de/ratgeber/ratgeber_recht/Urteil_Karlsruhe.pdf


Es geht in diesem Urteil darum, dass man einem Züchter aufgrund seiner Mitgliedschaft in einem Nicht-VdH Verein die Zucht in einem VdH Verein verweigern wollte. Dies hat das OLG Mannheim als Diskriminierung angesehen.


Die Problematik liegt allerdings viel tiefer und ich habe folgenden Beitrag (leicht abgeändert) im internen Forum meines Vereines niedergeschrieben.


Ich würde mich freuen, wenn sich erneut viele Interessierte an mich wenden würden und mir ihre Meinung dazu mitteilen würden.
Meine Mail: johannbucher@web.de


 


Zur Zeit der Rassegründer war der einzelne Züchter "ausführendes Organ" der Anordnungen, die von den Gründern getroffen wurden.


Jede andere Darstellung der Zeitgenossen der Rassegründer ist nostalgische Verklärung der Vergangenheit - aber das ist menschlich.


Zur damaligen Zeit gab es nur eine handvoll Enthusiasten, die sich mit der Zucht von zuerst Wolfchows und dann Eurasiern beschäftigt haben. Mit der Verbreitung der Rasse dann aber wurde es vollkommen klar, dass man so eine Hierarchie nicht mehr lange halten konnte.  Sie beruhte ja simpel und einfach auf einer Art "Glauben" an die Kompetenz der Rassegründer.


Wenn immer mehr Menschen zusammen an einer Sache arbeiten, dann werden zwangsläufig Menschen dazu kommen,  die sich eben NICHT von einem oder zwei "Zuchtbestimmern" vorschreiben lassen wollen, was sie zu tun haben, es wird Menschen geben, die selber mitdenken UND gestalten wollen - und das ist legitim.


Als sich dann letztendlich auch die massgeblichen Rassegründer überwarfen, kam es zur Gründung zuerst eines , dann eines weitern Vereines. Später gab es noch einen Verein, dann war vermeintlich lange Jahre Ruhe - in Wahrheit gab und gibt es noch ausserhalb des VdH weitere Vereine die alle mit Tieren züchten, die von den Ursprungstieren abstammen.


Das Problem liegt darin, dass einige dieser Gruppierungen glauben, sie können die absolutistische Art der Frühzeit irgendwie aufrecht erhalten. Das tun die einen mal subtiler, mal weniger subtil, mal frecher, mal weniger frecher, mal mehr , mal weniger.


Alle aber betonen immer, dass man ja SOOO demokratisch miteinander umgeht.


Die Lösung des Problems ist nie angegangen worden - damit hätte man ja zugeben müssen,  dass man das Modell der Frühzeit niemals - mit zunehmender Verbreitung der Rasse - aufrecht erhalten kann.


Man muss nur in den Satzungen (bzw. Zuchtordnungen) der VdH Vereine nachlesen - immer noch finden sich darin Passagen, die genau diese absolutistische Form der Zuchtentscheidungsgewalt festlegen.


 Solange das so ist, wird es immer wieder zu Abspaltungen, Verwerfungen, Streit und Zank kommen. Ich bleibe bei meinem Wort "Traditionalisten", da jetzt klar wird, warum das Wort angebrachter denn je ist .


Wer immer noch glaubt, diese Art der "Zuchtlenkung", die darauf basiert, dass ein Einzelner (oder auch eine Gruppierung) die Zucht nach "Bauchgefühl" lenkt (und es ist nichts anderes, wenn man eine Rüdenliste erhält, deren Zustandekommen nicht transparent ist - ich erinnere daran: Lt. meinen Informationen ist es möglich im Zuchtprogramm einer führenden internationalen Vereinigungbestimmte ZWINGER von der Rüdenauswahl komplett auszublenden – WARUM?), wird immer und immer wieder schmerzhaft erfahren müssen, dass diese Zeit endgültig vorbei ist – und sei es, dass er von einem Gericht auf den Boden der Realität zurück geholt wird.


Wie ich oben gesagt habe, es waren Enthusiasten ,die sich auf das, was die Rassegründer gesagt haben, verlassen haben - UND sie waren bereit, auf das "Angeordnete" zu hören  UND TROTZDEM die gesamte Verantwortung für einen Wurf zu übernehmen. Aber das WAR freiwillig.


Dazu muss man wissen, dass dies am Anfang der Eurasierzucht vollkommen anders zu bewerten ist als heute. Damals waren das eben "Mischlinge", die eher "zäh" an den Mann zu bringen waren. Dann kam der Beitritt zum VdH, und spätestens jetzt , als der Eurasier als Rasse anerkannt war, bekam der Ausdruck, "Der Züchter trägt die volle Verantwortung",  eine vollkommen andere Bedeutung.


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Kurzer Ausflug:


[Mit dem VdH Beitritt begann aber auch eine unglückliche Entwicklung, die ich durchaus vergleichen möchte, mit dem Ausruf des Christentums als Staatsreligion im röm. Reich im 4 Jahrhundert unter Kaiser Konstantin. Waren die Christen vorher die Toleranz in Perfektion (waren sie doch auf die Toleranz im röm. Reich angewiesen), so wurden sie anschließend die  erbarmungslosesten Ausrotter aller anderen Religionen (vom Keltentum  über die griech. Religion, von anderen Naturreligionen gar nicht zu sprechen).


Jetzt plötzlich vergasen einige, dass die Eurasier ja auch mal als Mischlinge angefangen hatten und man lies plötzlich nur noch Eurasier, die in VdH Vereinen erzüchtet wurden, als "rassereine" Eurasier durchgehen. Andere, egal ob sie AUCH die gleichen Wurzeln hatten, wie die VdH Eurasier, wurden (und werden) "erbarmungslos" als Wildzucht bezeichnet.]


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Spätestens jetzt wurde der Eurasier immer bekannter, immer beliebter und damit auch begehrter.



Es gab bereits 3 VdH Vereine , die an und für sich bis heute nicht nach außen klar darstellen können,  wie sich denn ihre Eurasier unterscheiden. Wenn sich diese aber nicht unterscheiden (und das tun sie in der Tat nicht), dann KANN es gar keinen  realen Grund für die Existenz dreier Vereine geben    außer, - ja genau-  , wenn die Menschen dieser Vereine das eben genauso wollen.


D.h. aber, dass es die Menschen der 3 Vereine (und mehr, wenn man die Nicht-VdH Vereine noch mit dazu nimmt) sind, die ganz bewusst eine mehrfache Organisation WOLLEN, mit allen Nachteilen für die jeweiligen Mitglieder (3-facher Aufwand in allem , was VEREIN betrifft) UND vor allem die Hunde bzw. die Rasse als ganzes.


Dabei wollen doch alle nach außen nur das EINE: gesunde Eurasier züchten!


Und jetzt schließt sich der Kreis:


Solange Traditionalisten glauben, dass Eurasierzucht in der gleichen Art und Weise wie unter den Rassegründern weitergeführt werden kann, nämlich als "Ausführen" von Anweisungen von "Zuchtlenkern" (dabei ist es letztendlich egal, ob es sich dabei um eine Person oder ein Gremium handelt), solange sind Verwerfungen, Streit und Abspaltungen vorprogrammiert.


Solange die Menschen es so wollen, solange wird sich auch nichts ändern. Das Problem dabei ist : der Hund wird dabei auf der Strecke bleiben , zumindest auf mittelfristige Sicht.


Die Lösung des Problems kann also nur so aussehen, dass man endlich hingeht und eine Zuchtordnung aufstellt, deren Forderungen objektiv nachprüfbar sind.


Dies wäre auch eine gute Gelegenheit, dass sich endlich  ALLE Vereine (unabhängig ob VdH oder nicht) an einen Tisch setzen und im Idealfall ALLE fusionieren, denn damit gibt es faktisch KEINE „Nuancen“ oder anderen Auffassungen.


Möglich ist das aber nur, wenn man endlich mal von Anfang an alle „Bauchgefühle“ und „gefühlten“ Erfahrungen, die nicht belegbar sind, vom Tisch wischt und sich an dem orientiert, was uns Genetik und Verhaltensforschung sagen.


Das Ergebnis wäre eine Zuchtordnung, die sicher sehr viel mehr tierärztliche Atteste fordert, als das heute der Fall ist. Aber eben aufgrund von klaren Vorschriften, nicht aufgrund von „Bauchgefühlen“ und Entscheidungen Einzelner.


Aber genau darin sehe ich auch einen  Grund, warum man das niemals tun wird, denn eine direkt Folge davon wäre, dass (zumindest zu Beginn) erheblich weniger Besitzer überhaupt zur Zucht bereit wären und damit auch erheblich weniger Welpen zur Welt kämen. Damit aber würden die Finanzmittel der Vereine zusammenschrumpfen und die ein oder andere Fusion wäre zwangsläufig – und das WILL man ja nicht, wie ich oben dargestellt habe.


Genau darin läge aber die große Chance, dass man zumindest das, was die Väter der Rasse wollten, dass sich eben nur Enthusiasten mit der Zucht beschäftigen, wieder Wahrheit werden lässt. Dass Argument, dass dann die Zuchtbasis unverhältnismäßig schrumpfen würde, zieht nicht, da es ja zu Beginn der Rasse noch viel weniger Hunde gab und die damalige Zuchtbasis noch erheblich kleiner war als heute.


Würde diese Argument ziehen, dann könnte es heute ja überhaupt keine Rasse Eurasier geben, es sei denn die heutigen Zuchtverantwortlichen verstehen erheblich weniger von Zucht als die Rassegründer – und das will ich noch nicht ganz glauben.


Ein anderer Punkt spricht auch vollkommen dagegen, dass man so ein Vorgehen jemals in die Tat umsetzen wird: Es ist die natürliche Veranlagung der Menschen, Machtpositionen niemals freiwillig aufzugeben.


Kein amtierender Hauptzuchtwart eines Vereines würde sich jemals für so ein Vorgehen aussprechen – da bin ich mir zu 100% sicher.


Solange es die Mitglieder nicht WOLLEN (die Intelligenz der Masse ist gefragt, die Intelligenz der Individuen ist hier blockiert - aufgrund der menschlichen Natur), solange wird das auch nie real. Solange aber wird es aber auch immer wieder Prozesse, Streit, Abspaltungen und andere unglückliche Auseinandersetzungen geben, die zu Zorn und Unversöhnlichkeit Anlass geben.


Die Lösungen existieren, die Mitglieder sind es, die diese Lösungen allerdings einfordern müssen. Solange das nicht gegeben ist, solange wird weiterhin Geld sinnlos verschwendet werden, für vielfache Vereinsaufwendungen, für  Prozesse, für ergebnislose Treffen, für was sonst noch.


Aber nicht nur Geld wird vergeudet, auch Nerven, Energie, Einsatz und Engagement von wahren Enthusiasten.


Vernünftig betrachtet kann es also nur eine Lösung geben, die auf diesen klaren Befunden basiert und konsequent zu Ende gedacht, bleibt damit eigentlich nur die Fusion aller Vereine (auch der Nicht-VdH Vereine) auf Basis einer gemeinsamen Zuchtordnung mit dem einzig legitimen Ziel: Gesunde Eurasier!


Ich sehe auch noch einen weiteren Grund, warum meine Darlegung hier wohl auch weiterhin ein frommer Traum bleiben wird: Ich habe es weiter oben angedeutet – es ist die kompromisslos zustimmende Haltung einiger zum Absolutheitsanspruch des VdH. Dieser Anspruch ist in keiner Weise gerechtfertigt, unterstellt er doch simpel und einfach, dass AUSSERHALB des VdH KEINE verantwortungsvolle Zucht jemals möglich ist. Diese Ansicht ist allerdings nicht einmal nur „traditionalistisch“, sie ist in meinen Augen eher überheblich, dünkelhaft und DUMM.